Produktion in China: „Schade um die Vorurteile. Wir können viel von den Chinesen lernen“

Produktion in China: „Schade um die Vorurteile. Wir können viel von den Chinesen lernen“

„Wir lassen in China für einen Kunden ein Sicherheitsbauteil im Gussverfahren herstellen. Jedoch hat der Kunde beim Entwurf nicht berücksichtigt, wie sich das Material beim Gussprozess verhält. Unser chinesischer Zulieferer hat davor gewarnt, dass die Wandstärken zu dünn werden würden. Daraufhin wurde die Konstruktionszeichnung abgeändert und inzwischen läuft die Produktion in vollem Gange; völlig problemlos.“

Arnoud Joosten ist Projektleiter in der Qualitätsabteilung von Multifix. Er überwacht u.a. die Auslagerung der Produktion nach China. Dabei geht er mit großer Sorgfalt vor, was bei den Kunden offenbar Vertrauen schafft: „Für einen Pumpenhersteller in Deutschland hatten wir damals mit einer einzigen Antriebswelle angefangen. Inzwischen stellen wir sämtliche Absperrventile her, die sie brauchen. Wir liefern dies einschließlich Ultraschallprüfung der Materialien, Qualitätszertifikaten, einem Prozessplan – also allen erforderlichen Qualitätsprüfungen. Das schaffen nicht alle Anbieter.“

Was machen Sie anders, wenn es um die Produktion in China geht?

„Die Stärke von Multifix ist, dass wir die Qualität schon vor der Produktion in China garantieren. Wir haben dort eine Qualitätsabteilung, die von den Kollegen in den Niederlanden unterstützt wird. Es werden keine Produkte, Muster oder Serienprodukte in die Niederlande ausgeliefert, bevor sie nicht von unserem Qualitätsingenieur, oder einem der Projektleiter, geprüft wurden. Damit lassen sich Probleme minimieren.“

„Im Hinblick auf die Machbarkeit eines bestimmten Entwurfs und eventuelle Probleme bei der Produktion, haben wir bereits von den Niederlanden aus direkten Kontakt mit den chinesischen Zulieferern. Wir begutachten dann alles mit qualifizierten Fachleuten. Und selbstverständlich auch mit dem Kunden. Durch meine früheren Arbeiten in der Werkstatt, aber auch durch die Kundenbetreuung vom Schreibtisch aus, habe ich viel Erfahrung mit der Metallbearbeitung. Von daher kann ich viele Probleme vorab erkennen. Und wo mein Wissen nicht ausreicht, kann ich immer auf meine Kollegen vom Projektmanagement zurückgreifen. Wir arbeiten viel mit unseren Lieferanten zusammen, um die Produktion zu optimieren.“

Wie sieht der Produktionsprozess in China konkret aus?

„Erst kommt der Kunde von sich aus mit einer Zeichnung. Wir selbst befassen uns nicht mit dem Entwurf. Natürlich weisen wir auf mögliche Probleme hin, aber letztendlich ist der Kunde für Entwurf und die geltenden Anforderungen verantwortlich. Anschließend ergänzen wir das Projekt mit unseren eigenen Daten und Kommentaren. Eine Konstruktionszeichnung muss nicht gleich unbrauchbar sein, doch weil wir wissen, was der Produktionsprozess beinhaltet, sind wir besonders kritisch. Details, die man normalerweise nur mündlich bespricht, werden von uns konkret in die Zeichnung eingetragen.“

„Die endgültige Zeichnung legen wir dann für ein Preisangebot unserem Zulieferer in China vor. Dieser kommt mit einem Preisangebot und eventuellen Anmerkungen hierzu auf uns zurück, welches wir dann dem Kunden vorlegen. Die Konstruktionszeichnung kann nach Bedarf abgeändert werden und nach Zustimmung des Kunden gehen wir in Produktion. Wir stellen immer für uns selbst Muster her, um Probleme im Vorfeld zu vermeiden. Diese Muster werden zur Genehmigung auch dem Kunden geschickt. Aber hauptsächlich bauen wir mit der Musterlieferung ein zusätzliches Stück Sicherheit ein, bevor wir in die Massenproduktion gehen.“

Was ist der Vorteil eines Musters?

„Durch die Anfertigung eines Musters lassen sich unvorhergesehene Probleme im Produktionsprozess in einem frühen Stadium erkennen und können noch rechtzeitig gelöst werden. Nach dem Start der Serienproduktion kann es ohne eine Musterprüfung damit zu spät sein.“
„Unsere Produktionsmethoden richten sich hauptsächlich auf Metallverarbeitung: Drehen, Fräsen, Gießen, Schmieden, Schweißen und so weiter und sämtliche Arbeiten, die mit Metallhalbzeugen verbunden sind: Zusammenbau, Montage, Hinzufügen von Kunststoffteilen, um nur einige zu nennen. Aber auch die Herstellung von Kunststoffteilen ist uns nicht fremd, wie z.B. Druckguss, Drehen, Fräsen usw. Unsere Kollegen von Multifix Assemby in den Niederlanden fügen die Elektronik hinzu, was in den meisten Fällen nicht in China vorgenommen wird.“

Gibt es immer noch Vorurteile bezüglich der Produktion in China?

„Früher wurde über die Produktion in China oft gesagt: „Lasst mal vier Container kommen, dann ist bestimmt einer davon brauchbar“. Dieses Vorurteil besteht nach wie vor, obwohl die Qualität der chinesischen Produkte inzwischen wirklich europäischen Standards entspricht. Kunden stellen das auch fest und wegen dieser Qualität kommen sie wieder.“

„Wir haben jetzt eine Liste von 35 chinesischen „Preferred Suppliers“, in der jeder Lieferant mit seinem Fachgebiet und den dazugehörenden Qualitäten, für das wir ihn einsetzten möchten, aufgelistet ist. Wir gehen auch selbst regelmäßig nach China, dann kann man mit eigenen Augen feststellen, wie dort gearbeitet wird. Die Chinesen betrachten Produkte eher von einem praktischen Blickwinkel aus und suchen nach Lösungen. Das ist ein anderer Denkvorgang, muss aber nicht unbedingt falsch sein. Davon können wir selbst viel lernen, besonders, wenn ein Produkt vor allem funktionell sein muss.“

Wie lange arbeiten Sie schon bei Multifix?

„Ich bin hier jetzt seit viereinhalb Jahren, nachdem ich viel Erfahrung in der Metallbearbeitung gesammelt habe. Ich habe als Schweißer und Schlosser angefangen. Daneben habe ich abends eine Lehrerausbildung gemacht. Ich war schon beinahe Lehrer für Schweißtechnik, als ich von meinem Arbeitgeber das Angebot bekam, meine gewonnene Erfahrung in der Arbeitsvorbereitung des Unternehmens einzusetzen. Also habe ich meine Ausbilderambitionen wieder aufgegeben.“
„Bei der Arbeit für Multifix kommen mir all meine Erfahrungen zugute: im Kontakt mit Kunden und Zulieferern, bei der technischen Kenntnis und für die Kostenschätzung. Das hat auch für den Kunden Vorteile: Wenn man sich für eine geeignete Produktionsmethode entscheidet, fallen häufig auch die Kosten niedriger aus. Die Kunst ist es, die richtige Kombination zu finden.“

Und wie gefällt Ihnen die Arbeit?

„Es gefällt mir sehr gut bei Multifix. Das war der beste Schritt, den ich je genommen habe. Ich hatte eigentlich schon eine andere Stelle, als ein Bekannter ein Vorstellungsgespräch bei Multifix für mich arrangiert hatte. Das Gespräch verlief ganz toll. Ich habe fünf Minuten über die Arbeit geredet und anderthalb Stunden über andere Sachen. Ich habe mich dann gleich bei dem Betrieb gemeldet, bei dem ich demnächst anfangen sollte. Dort hatte man volles Verständnis dafür, dass ich mich letztendlich für Multifix entschieden habe.“

„Ich kann mir nicht mehr vorstellen, warum ich bei Multifix weggehen sollte. Ich habe sehr nette Kollegen und sehr gute Kontakte zu Kunden. Natürlich gibt es immer mal wieder etwas, was einem stört, aber wo gibt es das nicht? Die Welt ist nicht perfekt – auch nicht bei Multifix. Aber ich fühle mich hier sehr wohl.“